Mein schönstes Ferienerlebnis
Den Moment, als Nina* allein vor der Klasse stand und alle lachten, weil ihr nichts einfiel, wird sie so schnell nicht vergessen. Das war im letzten Jahr, direkt nach den Sommerferien, als die Lehrerin gesagt hatte: "Berichtet euren Klassenkameraden doch einmal von Eurem schönsten Ferienerlebnis!" Die anderen Kinder hatten von den Reisen mit ihren Eltern erzählt – von Mallorca, der Nordsee, dem Campingurlaub in Frankreich. Und Nina? Wie jedes Jahr hatte ihre Mutter ihr und ihren drei Geschwistern erklärt, dass für Ferienreisen einfach nicht genug Geld da sei. "Ich bin froh, wenn wir irgendwie über die Runden kommen", hatte Ninas Mutter gesagt. "Ein Urlaub zu fünft ist da einfach nicht drin." Und sie hatte wieder diesen traurigen Blick gehabt, den Nina kaum ertragen kann.
Nina ist 12. Ihr Vater lebt nicht mehr bei der Familie und zahlt den Unterhalt für die Kinder nur hin und
wieder. Das Jugendamt springt nicht ein, weil ja von Zeit zu Zeit Geld vom Vater kommt. Die Mutter verdient
kaum etwas, weil sie sich um ihre vier Kinder kümmern muss. Nicht nur Urlaub ist etwas, von dem Nina sicher ist,
dass nur andere Familien es sich leisten können. Selbst ein kleiner Familienausflug ist zu teuer.
In zwei Wochen fängt die Schule wieder an. Nina hat jetzt schon Angst vor dem Moment, in dem die Lehrerin wieder
mit diesem Ferienerlebnis-Thema kommt. Ihrer Mutter sagt sie das natürlich nicht – die ist ja selbst furchtbar
traurig, dass sie ihren Kindern nicht mehr ermöglichen kann. Also setzt Nina ihr fröhlichstes Lächeln auf,
als sie sich mit ihrer kleinen Schwester vom Spielplatz auf den Weg zurück nach Hause macht. Damit ihre Mutter
bloß nicht merkt, was mit ihr los ist.
Als sie zu Hause ankommt, sitzt ihre Mutter am Küchentisch und schält Kartoffeln. Sie strahlt Nina an. So fröhlich hat Nina ihre Mutter schon lange nicht mehr gesehen. "Was ist los?" fragt sie und die Mutter antwortet: "Ihr fahrt in Ferien! Das ist los!". Nina kann es nicht glauben. Doch ihre Mutter erklärt ihr, dass das Diakonische Werk eine Ferienfreizeit für alle vier Kinder ermöglicht hat. Es geht nicht weit weg, nur nach St. Augustin – aber dort dürfen sie eine ganze Woche auf einem Reiterhof verbringen. Nina fällt ihrer Mutter um den Hals. Echte Ferien! Ganz normale Ferien, wie die anderen Kinder auch – nur ein bisschen spannender. Und nach den Schulferien wird sie die erste sein, die sich meldet, um von ihrem schönsten Ferienerlebnis zu erzählen. Nina und ihre Geschwister tanzen um die Mutter herum und singen "Fe-ri-en! Fe-ri-en!" Doch auf einmal bleibt Nina stehen. "Und Du?" fragt sie ihre Mutter, "Was machst Du, während wir weg sind?" – "Meine Ruhe genießen", lacht Ninas Mutter, "und mich um all die Dinge kümmern, die ich in der letzten Zeit liegen lassen musste, weil so viel zu tun war." Sie ist glücklich, dass sie ihren Kindern eine Pause vom belastenden Alltag ermöglichen und gleichzeitig einige Dinge auf den Weg bringen kann, die ihr Leben vielleicht verbessern werden. Nina sieht den zufriedenen Ausdruck in den Augen ihrer Mutter. Und zum ersten Mal seit langem hört sie auf, sich Sorgen zu machen. Sie genießt einfach nur die Vorfreude auf ein tolles Erlebnis.
Immer mehr Kinder leiden unter der angespannten finanziellen Situation ihrer Eltern und müssen auf schöne Erlebnisse wie Ferien verzichten. Kinder wie Nina tragen die Sorgen ihrer Eltern mit. Sie erleben einen schweren Alltag und sehnen sich nach ein bisschen Normalität, nach einer Pause vom Traurigsein. Sie können ihnen jetzt helfen: 20 Euro finanzieren eine Isomatte für die Kinder-Ferienmaßnahmen, 60 Euro ermöglichen einem Kind die Teilnahme an einem Wochenendausflug und mit 120 Euro sorgen Sie dafür, dass auch ein Kind aus einer einkunftsschwachen Familie bei einer Stadtranderholung mitmachen kann.
* Namen der Betroffenen geändert