"Darf ich Mama wieder lieb haben?"
Stella* ist 6 Jahre alt und lebt mit ihrer Schwester Marie (13) bei ihrem Vater. Sie spürt deutlich, dass mit
ihr etwas nicht stimmt. In ihrer Klasse gibt es kein anderes Kind, das wütend auf seine Mutter ist – so wütend
und so traurig, dass es die Mama nie mehr sehen will.
Als sich die Eltern von Stella und Marie getrennt haben, brach für beide Kinder eine Welt zusammen. Aber Stella
hat es besonders schwer: Seit einiger Zeit weigert sie sich, ihre Mutter zu treffen. "Mama ist schuld, dass
ich keine Familie mehr habe", sagt Stella und kann dabei nicht einmal mehr weinen – die Tränen sind schon
lange versiegt. Sie spricht kaum noch, wirkt ständig bedrückt und hat die kindliche Unbeschwertheit
völlig verloren.
Stellas Vater tut es natürlich weh zu sehen, welche Last seine kleine Tochter trägt. Andererseits möchte er sie nicht zwingen, den Kontakt zur Mutter wieder aufzunehmen. Deshalb hat er sich an die Kinderinsel gewandt, eine Einrichtung des Diakonischen Werkes. Dort geht Stella nun regelmäßig in eine Gruppe von Kindern, die ähnliche Erfahrungen machen mussten. Die Kinder sind ohne ihre Eltern da, so dass sie sich ungezwungen und frei verhalten können. Zwei Psychologinnen bieten sich behutsam als Gesprächspartnerinnen an und fangen die Kinder mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen auf. Stella hat eine Freundin gefunden, die sie gut versteht und die auch nicht immer fröhlich sein kann. Oft spielt sie einfach mit ihr und genießt es, einmal eine Weile nicht an die Katastrophe denken zu müssen, die ihr jeden Halt genommen hat. In den Gesprächen mit den Psychologinnen lernt Stella, dass sie ihre Gefühle zulassen kann. Sie lernt auch, dass es nicht wichtig ist, wer die Schuld an der familiären Situation trägt. Und vor allem lernt sie, dass sie ihre Eltern gleichermaßen lieben darf – ohne die Angst, dass auch ihr Vater sie verlässt.
Manchmal ist Stella schon wieder richtig fröhlich. Ihrem Vater gegenüber ist sie offener geworden und erzählt ihm, was in ihr vorgeht. Nach einigen Beratungsgesprächen in der Kinderinsel versteht Stellas Vater die Situation seiner Kinder nun besser und kann neben seinem eigenen Kummer auch mit dem seiner Töchter umgehen. So konnte er auch zuversichtlich und liebevoll reagieren, als Stella ihn vor kurzem fragte: "Darf ich Mama jetzt wieder lieb haben?" Sie fasst neues Vertrauen zu ihrer Mutter und gewöhnt sich an die veränderte Situation. Stella fühlt sich wieder sicher und geborgen in ihrer Familie und kann endlich wieder Kind sein.
Viele Kinder erleben bei der Scheidung ihrer Eltern eine tiefe Krise, die ihnen nachhaltig schadet. Mit Ihrer Unterstützung können wir solche Kinder auffangen und ihnen ein bisschen Sicherheit und Zuversicht zurückgeben. Ein Puppenspiel, mit dem die Kinder ihre familiäre Situation spielerisch verarbeiten können, kann für 50 Euro angeschafft werden. Mit 90 Euro ermöglichen Sie die Teilnahme eines Kindes an einem Kinderinsel-Nachmittag.
* Namen der Betroffenen geändert