Zentrale Bibeltexte zur Begründung und Illustration eines diakonischen Lebens, wie Jesus Christus es vorlebte und zur Nachahmung empfahl
In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.
Bei der ersten diakonischen Tätigkeit, die die Bibel als solche benennt, geht es darum, für Verteilungsgerechtigkeit bei Tisch zu sorgen.
Es ist gleichzeitig der Text, der die Geburtsstunde der (organisierten) Diakonie belegt: Die in das neu geschaffene Amt eingesetzten sieben Diakone erhalten den Auftrag, sich um die Armen zu kümmern.
1. Petrusbrief 4, 10:
„Dienet einander, ein jeder/eine jede mit der Gabe, die er/sie empfangen hat.“
Die eigenen Gaben in die Gemeinschaft einzubringen ist ein zentrales Motiv christlich-diakonischen Handelns.
Psalm 82, 3:
„Schaffet Recht dem Armen und der Waise und helft dem Elenden und Bedrückten zum Recht.“
Nicht erst in der christlichen Bibel (dem sog. Neuen Testament), sondern auch in der hebräischen Bibel (dem sog. Alten Testament) gehören Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit konstitutiv zum Glauben dazu.
2. Mose 22, 20f:
Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.
Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken. Wirst du sie bedrücken und werden sie zu mir schreien, so werde ich ihr Schreien erhören. Dann wird mein Zorn entbrennen, dass ich euch mit dem Schwert töte und eure Frauen zu Witwen und eure Kinder zu Waisen werden.
Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein Wucherer handeln; du sollst keinerlei Zinsen von ihm nehmen.
Wenn du den Mantel deines Nächsten zum Pfande nimmst, sollst du ihn wiedergeben, ehe die Sonne untergeht, denn sein Mantel ist seine einzige Decke für seinen Leib; worin soll er sonst schlafen? Wird er aber zu mir schreien, so werde ich ihn erhören; denn ich bin gnädig.
3. Mose 19, 33f:
Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.
Ihr sollt nicht unrecht handeln im Gericht, mit der Elle, mit Gewicht, mit Maß. Rechte Waage, rechtes Gewicht, rechter Scheffel und rechtes Maß sollen bei euch sein; ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat, dass ihr alle meine Satzungen und alle meine Rechte haltet und tut; ich bin der HERR.
und 5. Mose 24, 17f:
Du sollst das Recht des Fremdlings und der Waise nicht beugen und sollst der Witwe nicht das Kleid zum Pfand nehmen. Denn du sollst daran denken, dass du Knecht in Ägypten gewesen bist und der HERR, dein Gott, dich von dort erlöst hat. Darum gebiete ich dir, dass du solches tust.
Wenn du auf deinem Acker geerntet und eine Garbe vergessen hast auf dem Acker, so sollst du nicht umkehren, sie zu holen, sondern sie soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen, auf dass dich der HERR, dein Gott, segne in allen Werken deiner Hände. Wenn du deine Ölbäume geschüttelt hast, so sollst du nicht nachschütteln; es soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen. Wenn du deinen Weinberg abgelesen hast, so sollst du nicht nachlesen; es soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen. Denn du sollst daran denken, dass du Knecht in Ägyptenland gewesen bist. Darum gebiete ich dir, dass du solches tust.
Nicht erst in der christlichen Bibel (dem sog. Neuen Testament), sondern auch in der hebräischen Bibel (dem sog. Alten Testament) gehört die Hilfeleistung für Menschen, die nicht zur engeren Familie / Sippe gehören - für den/die Nächste also – zum Leben aus dem Glauben dazu.
Alle drei Texte fordern zu besonderem Schutz für Fremde, Witwen und Waisen auf. Die Begründung ist jeweils dieselbe:
Gewährt Fremden, Witwen und Waisen unter Euch besonderen Schutz, weil ihr wisst, wie es ist, fremd zu sein. „Denn ihr seid auch Fremde gewesen in Ägypten“.
Dieser Begründungszusammenhang setzt auf das Gedächtnis, einst gefährdet und auf wundersame Weise bewahrt worden zu sein. Die eigene günstige, sichere Position ist Geschenk. Die geleistete Hilfe ist der Ausdruck der Dankbarkeit für das Geschenk der vergangenen Rettung. – In die heutige Zeit übertragen könnte es heißen:
Helft den Entrechteten und Benachteiligten unter Euch. Seid nicht zu selbstgewiss, dass Eure (sichere) Position von Dauer ist. Seid bescheiden und dankbar, - und nutzt eure Privilegien dazu, Benachteiligten zu helfen.
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Jesus betont die Zusammengehörigkeit von Gottes- und Nächstenliebe. Die Liebe zu Gott wird sichtbar in der Liebe zur/zum Nächsten. Das sogenannte Doppelgebot der Liebe (Markusevangelium 12, 28-34) ist Kernstück des christlichen Glaubens:
Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: "Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften" (5.Mose 6,4-5). Das andre ist dies: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.
Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.
Jesus Christus hat sich selbstverständlich und hingebungsvoll um benachteiligte Menschen gekümmert und seine AnhängerInnen dazu aufgefordert, dasselbe zu tun: „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diakon / = Diener“ (Markus 10,43) [Vollständige Geschichte „Vom Herrschen und vom Dienen“ Markusevangelium 10, 35-45]
Mit dieser vorbildlichen Haltung und Aufforderung wollte Jesus die Gesellschaft radikal verändern, indem er die Werte Mitmenschlichkeit, Fürsorge, Liebe zum Maßstab des Lebens machte.
Dieser Herausforderung stellen sich ChristInnen bis heute und wollen mitwirken an einer gerechten Gesellschaft in der jede/r das zum Leben erhalten soll, was er/sie braucht – nicht was er/sie - gemessen an ihrer/seiner Leistungsfähigkeit - ‚verdient’. Dieser christliche Grundgedanke findet sich wieder in Jesu Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg.![]()